Bauernbrötchen

Seid ca. 2 Wochen haben wir ein neues Brötchen. Das Bauernbrötchen. Nachdem ich mir sicher bin, dass es jetz funktioniert, kann ich auch mal einen Blogeintrag darüber machen.

Das Bauernbrötchen habe ich entwickelt, weil meine Verkäuferinnen unbedingt ein Brötchen mit Schrot wollten. Gerade eine Verkäuferin konnte nicht locker lassen. Obwohl ich ihr immer wieder gesagt habe: So was kaufen “die Leute” nicht. Sie ist sogar mal mit mir in den Supermarkt gefahren um mir so ein paar Brötchen nach ihrer Vorstellung zu kaufen. Aber ich habe es weiter schleifen lassen, denn ich war nicht überzeugt.

Dann, einige Wochen später, gab mir eine andere Verkäuferin eine leere Tüte mit sogenannten “Roggenkrüstchen”. Sie sagte: Die kauft meine Mutti immer in der ….Kaufhalle. Die schmecken gut! So richtig schöne, dunkle Roggenschrotbrötchen! Solche müßten wir auch unbedingt haben!

Das erste was Bäckermeister Süpke macht: Er guckt auf die Liste der Inhaltsstoffe. Immer!

“Haben sie mal hier drauf geguckt?” fragte ich sie? “Nö! Wieso?”

“Da sind 52% Weizenmehl drin und zwei Sorten Röstmalz, damit das Brötchen schön dunkel aussieht. Roggenmehl ist noch drin, immerhin 15% und Schrot ist nur sehr weinig drin! Also das kann ich auch!”

“Echt?” Sie war sehr erstaunt und ich sehr verwundert! Wenn ich eine Backwarenverkäuferin bin, müßte mich doch interessieren was da drin ist oder?

“Hier steht auch drauf: Keine Konservierungsmittel! Aber da ist Säureregulator Natriumdiacetat drin. Das ist, damit die Brötchen nicht schimmeln wenn sie solange im Regal liegen.” Zeigte ich ihr auf der Tüte. Noch mehr erstaunen! Gut, dass muss sie nicht wissen! Aber so unkritisch! Als Backwaren-Fachverkäuferin!

Ich fuhr in den nächsten Laden, denn ich machte meine Besuchstour. Als ich meine Mappe aufklappte um der Verkäuferin was zu zeigen sagte sie: “Die Brötchen kenne ich auch! Die sind schön dunkel…” usw.

“Haben sie mal drauf geguckt was da drin ist?”

“Nein!?”

Ich fass es nicht! Da habe ich wohl noch ne Menge Arbeit vor mir. Im nächsten Laden: dasselbe Spiel.

Also habe ich mich an mein Rezeptprogramm gesetzt und erst mal “rumgespielt”. Drei Sorten Schrot, (Roggen, Dinkel, Weizen) insgesamt 80%, davon ein Teil gekocht. 20% Weizenmehl. Das wird niemals was, sagte ich mir. Aber sie wollen es ja so. Dann haben wir den ersten Backversuch gemacht. Gott sei Dank war gerade ein guter Artikel über Schrotbrot Herstellung in der Slow baking Fachzeitung. Da konnte ich noch mal nachlesen, was man so alles beim Backen mit Schrot beachten muss.

Die Brötchen waren wie erwartet klein und sehr schwer (durch die 80% Schrot). Ich schickte die Brötchen in den Laden mit der hartnäckigen Verkäuferin. Am nächsten Tag ein Zettel auf meinem Schreibtisch: “Es geht doch! Lecker! Weiter so!” Soll doch mal einer diese Wei.. Frauen verstehen!

Also habe ich noch ein bisschen was verändert. Apfelfasern zum Wasser binden (und Geschmack), Wassermenge, Quellmehl. Dann noch ein Backversuch, Absprache mit den Ofenbäckern und dann in die Produktion. Jetzt kommt die Bewährungs Probe! In der täglcihen Produktion passieren Dinge, die man nicht immer bei einem Backversuch raus bekommt.

Aber jetzt funktioniert es, die Qualität ist gleichbleibend und: es wird von den Kunden gekauft!

Und das hätte ich beides nicht erwartet: Das man ein Brötchen mit 80% Schrot herstellen kann, (fachlich ein “Unding”) und das die Kunden es kaufen!

Also habe ich wieder mal was gelernt: Man muss auf seine Verkäuferinnen mehr hören und immer wieder mal über seinen (fachlichen) Schatten springen!

Auf jeden Fall werde ich in diese (Brötchen) Richtung weiter denken. Mal sehen, ob ich für meine Kunden noch was ähnliches “erfinden” kann.

About these ads

7 Antworten

  1. Wie kommst du zu dem Namen? Ist das “geregelt” oder eine Eigenkreation? Warum benennst du das Brötchen nicht nach dem Namen der “Verkäuferin”. Das wäre doch mal eine Sache: Ich hätte gerne 5 Gisela und ein Mischbrot.

  2. Coole Idee mit der Verkäuferin :-) Werde sie mal fragen. Mit dem Namen ist es immer so eine Sache. Am liebsten hätte ich es Schrotbrötchen getauft. Aber da müssten über 90% Schrot drin sein. Sonst ist es Verbrauchertäuschung und kann viel Geld kosten. (Außerdem will ich meine Kunden nicht täuschen!)So lustige Phantasien-Namen wie “Schrotties” oder Wollis Beste kommen bei vielen Kunden negativ an. denn viele Kunden kommen sich veralbert vor, wenn sie wie in Deinem beispiel sagen müssen: Ich hätte gern 5 Giselas… Dann lassen sie es lieber sein. Wir haben auch “im Büro” über den Namen gestritten. Aber es ist uns nichts anderes eingefallen was rustikal und natürlich klingt.
    Aber Schrottis klingt cool oder? :-)

  3. Schrottis find ich lustig. Muss aber sagen das Bauernbrötchen eine sehr gute Wahl war. Steht für mich für Geschmak, solides gutes “kräftiges” Brot. Ich würde ein Bauernbrötchen mit ner Essiggurke und nem stück gutem Käse sowie ner geilen Salami essen.

    Was ich jedoch gut finde ist, wenn Verkäuferinnen und andere Mitarbeiter wirklich Ideen und innovatives mit einbringen. Das ist eine gute Dynamik. Sowas wie “der Süpke-Brot-Innovations-Preis”. Oder wie bei google ne Wand, wo alle Mitarbeiter was drauf schreiben können. Ideen gesponnen werden.

  4. goile Seite :-)

  5. Meister? Was ist aus dem fachwissen Deiner Verkäuferinnen geworden?

  6. @John F: Das frag ich mich zwar auch, aber da muss ich mich selbst an die Nase fassen, denn ich muss es ihnen ja erklären… Und wenn sie es nicht verstehen oder vergessen, dann bin ich Schuld. Traurig aber wahr.

  7. Meister Bäcker,

    so war das gar nicht gemeint. Seit Beginn dieses Eintrages sind einige Monate vergangen…was ist passiert? Habt Ihr Schulungen gemacht?
    Ich finde es gut, wenn man einer Fachverkäuferin gegenübersteht die tatsächlich vom Fach ist. Daß Du als Chef natürlich Verantwortung dafür trägst ist doch klar. Allerdings bist Du nicht schuld wenn sie es wieder vergessen. Aber Du wärst schuld wenn sie es nicht wieder neu erlernen bis es sitzt. ;-)
    Im übrigen ist das nicht traurig sondern eine der täglichen Aufgaben eines Geschäftsführers.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 146 Followern an

%d Bloggern gefällt das: