Lutherbrot

Ich mag kein Halloween.

Es ist nicht so, dass ich was gegen Ammis habe, oder dass ich den Kindern ihren Spaß verderben will. Nein, gar nicht. Meine Kinder gehen wahrscheinlich auch wieder durchs Dorf.

Aber ich finde, das Halloween nichts mit mir und meinem Land und meiner Kultur zu tun hat. Das ist „american“. Deshalb stört es mich seid langem, dass die Industrie versucht dieses Fest hier einzuführen, um damit Geld zu verdienen. In meiner Branche kommen zu dieser Zeit die Vertreter der Backmittelindustrie und bieten den Bäckern ihre Halloween Gebäcke an. Also: Muffins mir blutigem Fondant, Ammis mit Spinnenweben, Kürbiskernbrote (mit ganzen Früchten) und natürlich (welches Wort in diesem Zusammenhang) alles aus wunderbaren, fertigen Vormischungen! Toll!

Sollen sie auch ruhig, ich will auch Geld verdienen. Das gehört zum Leben dazu. Aber ich mache da nicht mit. Und weil wir uns da in der Geschäftsleitung einig sind, gibt es bei Bäcker Süpke keine Halloween Gebäcke.

Aber letztes Jahr las ich in einer Fachzeitschrift über einen Bäcker, welcher sein Geschäft auf den Reformationstag ausgerichtet hat. Quasi als Gegenveranstaltung. Und das hat mich angesprochen. Als Christ sowieso, aber auch als Thüringer, welcher hier immer wieder die Spuren des Reformators findet. Nicht nur in Eisenach, sondern auch in Erfurt und ganz in meiner Nähe, in Stotternheim. Wo ja Luther bekanntlich das Gewitter überrascht hat. Und in Stotternheim habe ich sogar eine Filiale! Und den Herrn Luther, den bewundere ich. Wegen seinem Mut und seiner Standhaftigkeit. Gerade weil ich weiß wie es ist, in einem System seinen Glauben zu leben, das einem dann echt Schwierigkeiten macht und Steine in den Weg legt. Und das man da nicht immer stark und standhaft ist, sondern auch mal Kompromisse macht.

Also „fiel mir solches gleich aufs Herz“ und ich trug in mein Outlook ein: Oktober Lutherbrot!

Aber dann, Anfang September, kam die bange Frage: Wie macht man denn ein Lutherbrot? Das ist ja fast so schwer wie einen Schwarzen Hamster zu backen!

Im Oktober sind „Kartoffelferien“, also muss es ein Kartoffelbrot werden! Gedacht, gebacken, gekostet. Ein paar Mitarbeiter waren gleich begeistert, aber mein größter Kritiker, Herr Hoschkara (der andere Chef der Bäckerei) war nicht soo angetan. Und eigentlich war ich auch nicht so überzeugt.

Es folgten lange Runden durch die Felder und Wiesen mit meinem Hund.

Grübel grübel. Ein erneuter Versuch wird sogar ein totaler Reinfall.

Dann eine Idee: Weimar-Zwiebelmarkt- geröstete Zwiebeln! Kartoffelbrot mit Zwiebeln! Jawoll!

Aber auch diesmal überzeugt es mich nicht. Und Herr Hoschkara: Naja, nicht schlecht! (Mist!)

Jetzt grübelte ich schon vor und nach dem Schlafen darüber. Denn die Zeit rückt immer näher. Was tun??? Wie kommt der Luther in das Brot? Kartoffeln und Zwiebeln, ja! Aber es fehlt der Kick!

Die Idee kam beim lesen eines Food Blogs. (Ich weiß nicht mehr welcher! Leider!) Dort war ein Link zu einer Biobäckerei. Und die hatte ein Brot mit Äpfeln. Die waren wirklich fast noch Ganz- die Äpfel in dem Brot. Und ich dachte so: Ich würde meine schönen kleinen Apfelwürfel nehmen, die für die Apfeltaschen. Das wäre besser! Da fiel es mir wie Mehl aus den Haaren! Kartoffeln-Zwiebel-Apfelwürfel! Das ist es!!

Gebacken-gekostet- noch etwas mehr Äpfel, das Brot in Semmelmehl gewälzt, damit es noch rustikaler wird –gebacken-gekostet-geschmeckt!

Und so ist es geworden: Bäcker Süpke`s Lutherbrot. Ein Brot zu Ehren des großen Reformators.

  • 20% Weizenmehl, (Vorteig)
  • 45% Roggenmehl (Sauerteig)
  • 35% Kartoffelschab (Thüringer Kloßmasse aus Heichelheim!)
  • Röstzwiebeln
  • Apfelstückchen
  • Gewürz

Das Beste zum Schluss: Es ist verkäuflich! Ab Morgen bis zum Geburtstag Martin Luthers am 11.11. in allen Filialen von Bäcker Süpke/ Die Frische-Bäcker

About these ads

22 Antworten

  1. Na, wenn das einen lutherischen Pfarrer nicht begeistert, dann weiß ich auch nicht. Aber wenn schon, dann hätten es 95 Zutaten sein müssen – oder 95 Apfelstückchen in dem Brot – ich schaue mich mal schlau, ob es ein passendes Luther Wort zum Thema Brot gibt.
    Eins kennste ja schon von meiner CD: “Denn Gott ist ein glühender Backofen voller Liebe, der da reichet von der Erde bis an den Himmel.” Das wäre doch der Spruch für die Banderole!!!!!!!!!!!!!!1

  2. Ich mag auch kein Halloween … und da ich hier im hohen Norden Kloßmasse Thüringer Art entdeckt habe, wird es wohl das Brot bald geben.

  3. QReinhard: Das ich mal einen lutherischen Pfarrer begeistere hätte ich auch nicht gedacht!
    @Ulrike: Ich freue mich auf das Ergebnis!

  4. Versuch macht kluch: Kartoffelbrot mit Apfel- und Zwiebelstücken…

    Bäcker Süpke findet, Halloween sei nicht so recht ‘was für ihn und kreiert ein Lutherbrot anstatt auf der Halloweenwelle mitzusurfen. Das Rezept von Bäcker Süpke`s Lutherbrot zu Ehren des großen Reformators

    20 % Weiz…

  5. Ich bin auch begeistert, weil, ich kann Halloween auch nicht ausstehen. Ich bereite zwar Kleinkram für die Kinder in der Nachbarschaft vor, damit sie nicht enttäuscht sind, aber ich kann’s trotzdem nicht leiden. So wie Valentinstag, grauslich!

    Und das mit den Äpfeln finde ich genial: Luther wollte doch den Apfelbaum pflanzen, auch wenn am nächsten Tag die Welt untergehen sollte. Passt doch prima! Und dann die Zwiebeln dazu und Kartoffeln, mmmh, das schmeckt bestimmt toll.

    Bin gespannt, wie sich das Brot verkauft. Viel Glück (und Danke für den Kommentar beim Hähnchen. Ich freue mich, dass es gut angekommen ist!)

  6. Super Idee. Schmeckt bestimmt herzhaft, aber dennoch frisch und nach Brot. Werde mich auch mal an diesem Lutherbrot versuchen. Thüringer Klöße sind eine Art Leibspeise ovn mir, leider krieg ich die Masse nirgendwo und selbst pressen geht praktisch nicht ohne richtige Presse. Aber werde vielleicht Kartoffelpuffer nehmen.

  7. Werbespruch gefällig?
    In der allergrößten Not ißt Martin Luther Butterbrot!
    Auch ein Lutherbort mit Fett findet nahrhaft er und nett.
    Und willste nicht zum Bäcker laufen:
    Lutherbrot im Reformhaus kaufen! ;-)

  8. Ihr Brot wurde jetzt sogar schon in New York gebacken (Link). Habe den amerikanischen Bäcker und Koch schon beglückwünscht zu dieser Wahl des Rezeptes. Ob es sich dort wie ein Lauffeuer rumsprechen wird, dass Halloween jetzt irgendwie out ist, bezweifel ich, aber ganz bis nach New York – wow. :-)

  9. jetzt gibt’s kein Halten mehr – Bäcker Süpke ist bekannt bis über den großen Teich hinüber! GLÜCKWUNSCH! :-)

  10. Herr Süpke,
    I wanted to introduce myself, I am the crazy American who tried replicating your bread, first excuse my lack of German language skills, I was born in Karlshrue a long while back and my father was living in Allgaü for many years. The story is long and less important than my desire to bake and eat good German bread even if I live in America, a land truly lacking in good German bread,they just don’t understand it, yet!
    With your help and all the other forums and crazy home bakers I hope to figure out a bit of it myself, this bread was a great step forward, now on to more difficult loaves, whole grains,dinkel etc…Lead the way I will follow.

    Danke sehr
    Jeremy Shapiro

  11. @Nils: Das verdanke ich allein Dir! Vielen Dank! Aber wenn ich mit meinen wenigen Englisch Kenntnissen es richtig verstanden habe, hat mein Brot jetzt in den Wahlkampf eingegriffen?? :-)
    @ Eva: Vielen Dank! Die Blogger machen mich berühmt!
    @ Jeremy: Es ist mir eine große Freude! (kann das mal jemand auf Englisch schreiben?)

  12. Herr Süpke, my wish is to one day learn German, as I left there when I was just funf jahre alt and lived und dort gelebt für 3 jahre in der US Armee stationeert in Stuttgart, so you can see I can only write in Englisch! But I can get it sometimes, when I go to Switzerland to visit my sister she encourages me to speak Schweizer Deutsche! So I am deciphering whatever recipes, formulas to get at the heart of good German bread, perhaps when I visit again, hopefully next year? I can stop by and sample your bread, I never have been to Thüringia, for that matter I never have been to Aachen!
    How is the bier?

    Jeremy

  13. @baeckersuepke: Ja, es scheint mir auch so. Ein Brot für Barack Obamas, von dem man sich wohl eine Art Reform erhofft.

    Um mal kurz zu übersetzen, was Jeremy geschrieben hat. Er wurde in Deutschland geboren und hat viele Jahre im Allgäu gelebt. Leidenschaftlicher Brotbäcker und vor allem interessiert an herzhaften und körnigen deutschen Broten. Er hofft, weiterhin noch viele dieser Brote kennenzulernen, mit Hilfe von Bäcker Süpke und allen “Internetbäckern”. Und vielleicht schaut er mal in Thüringen vorbei.

    P.S. “How is the bier” = Wie ist das Bier [in Thüringen]?

  14. Ihr Nils ein retter, kann das folgende brot für sie bennant werden!

    I hope this translation doesn’t sound horrible?

    Danke!

  15. Danke Nils für die Übersetzung! Das Bier ist in Thüringen natürlich super! Und natürlich wird Bäcker Süpke noch über viele leckere Sachen schreiben. Und wer weiß,was sich daraus noch entwickelt, bin ja noch ein “junger” Blogger! Das Deutsches Brot in Amerika so berühmt wird wie deutsches Bier, wäre doch schon eine Mission! (vielleicht sogar eine Missionsreise :-) )

  16. Wird ihr ein brot mit roggen und bier gebildet?

  17. @Jeremy: Only for you I will make a recept for a bread with beer. Then I will send a link to your blog. I hope you can understand these words.

  18. Verstanden! Und, bin ich angemessen!

  19. http://www.hueber.de/sixcms/list.php?page=landeskunde_8_1

    Andescher Dunkel war das brot, das ich auf site gesehen.

  20. Uns beschäftigt Luther auch das ganze Jahr hindurch, haben wir doch den offiziellen Segen der Evangelischen Landeskirche Anhalts und der Lutherweggesellschaft e. V., den offiziellen Wein des Pilgerweges Lutherweg herzustellen und auch zu vermarkten, unter Nuzung des stilisierten L, das auch den Luherweg kennzeichnet.
    Wir sind ein privates Weingut zwischen Lutherstadt Eisleben und Halle, gerade die Region, in der Luther seine Spuren hinterlassen hat.
    Nachweislich gab es zu seiner Zeit die Weinsorte Traminer schon zu trinken und eben diese haben wir zum Lutherwein erkoren.
    Mir gingen auch gerade die Ideen durch den Kopf, etwas besonderes als Pilgerrast anzubieten, den Wein haben wir, aber ein besonderes Brötchen oder Brot fehlt mir noch, da bin ich auf eben diese Seite gestoßen.
    Vielleicht nehmen wir ja mal Kontakt auf???
    Freue mich, Ulrike Hoffmann

  21. Ich mag auch kein Halloween. Seit 15 Jahren lebe ich in den Staaten – Thanksgiving ist ja gut – aber Halloween?
    Es gibt in Amerika auch Lutherbrot. Das wird zum Abendmahl verwendet.

    Luther Seminary’s
    Communion Bread Recipe
    Sift dry ingredients (important!) together three times:

    2 c whole wheat flour
    1 c white flour
    1 & 1/4 tsp baking powder
    1 & 1/4 tsp salt

    Stir in 4 tsp oil. Set aside.

    Mix wet ingredients together until dissolved:

    3/4 cup + 2 Tbsp very hot water (minimum of 180 degrees F)
    3 Tbsp honey
    3 Tbsp molasses

    Add wet ingredients to dry ingredients and mix well. Dough should be slightly sticky. Do not knead.

    Divide into four balls and flatten each into a 1/4 inch thick disk.

    With a knife, score the top of each loaf into eight pie-shaped sections, so that the sections can be more easily broken off while serving. Alternatively, you could score a cross onto the loaf.

    Lay the loaves on a baking sheet. Bake at 350 degrees for 10 minutes. Remove from oven and brush the tops of the loaves with oil. Bake an additional 5-8 minutes. Let cool.

    Yield: four 8 oz. loaves. Each loaf serves 60-70 people, depending upon the size of the piece given. The loaves freeze well.

    Und hier ist der Link:

    http://www.luthersem.edu/resources/communion_bread_recipe.aspx

  22. […] ja bei rohen Kartoffeln wie z.B. bei diesem Brot mit rohen Kartoffeln nach Bäcker Süpkes Rezept oder Dan Lepards Blitzbrot. Beim “Aufräumen” meiner Festplatte ist mir dann […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 1.043 Followern an

%d Bloggern gefällt das: