Martinshörnchen

Es gibt ja immer so Traditionen. Jede Gegend hat so ihre eigenen. Das kann manchmal echt skurril sein. Z.Bsp in Mühlhausen, in Thüringen müssen alle Bürger am Gründonnerstag eine süße Brezel essen (süßer Hefeteig mit Zuckerguss). Alle Bürger die keine Brezel essen, bekommen Eselsohren. Da ich bisher nicht von einem Mühlhäuser gehört habe dem solches widerfahren ist, bin ich mir sicher das sich alle daran halten. Mein Meister, bei dem ich das Bäckerhandwerk erlernt habe, war aus Mühlhausen und er schwärmte jedesmal am Gründonnerstag davon wie sie 3 Tage lang quasi ohne Unterbrechung Brezeln geschlungen haben. Und dabei immer mal im Stehen eingeschlafen sind.

In Erfurt essen alle am Tag vor Martini, also am 10. November, ein Martinshörnchen. Am Vorabend deshalb, weil da der große Laternen Umzug ist, der dann auf dem Domplatz stattfindet. In Sömmerda, wo unsere Bäckerei ist, gibt es diese Tradition nicht. Bzw kommt es auch so langsam, da viele nach Erfurt fahren zum Domplatz und auf allen Dörfern Umzüge stattfinden, wo die Kinder mit Laternen durchs Dorf ziehen und Lieder singen. Da wir zwei Filialen in Ortsteilen von Erfurt haben müssen wir sowieso Martinshörnchen backen und bieten diese immer  in unseren anderen Läden mit an. Somit werden es jedes Jahr ein paar Hörnchen mehr die wir in den anderen Filialen verkaufen.

Das Martinshörnchen ist ein Kamm aus Plunderteig mit Marzipanfüllung. Wieso ein Kamm, wenn es doch Hörnchen heißt? Ich glaube das kommt daher, das die Erfurter Bäcker es zu DDR Zeiten einfach nicht mehr geschafft haben diese Mengen an Hörnchen zu produzieren und dann einfach einen Kamm gemacht haben.

Dieser wir dann hinten zusammen gefaltet und schon hat man ein “Hörnchen”. In der DDR gab es ganz schlecht Maschinen für Bäckereien zu kaufen. Die vorhanden waren teilweise noch von der Jahrhundertwende. Also wurde vieles mit der Hand gemacht. An eine Hörnchen Wickelmaschine war nicht im Traum zu denken.

Und es gab nach Ulbricht kein Marzipan mehr. Denn das wird aus Mandeln gemacht und die wuchsen nicht in der DDR. Also ist man dazu übergegangen die Hörnchen mit Marmelade zu füllen. (Klingt komisch, war aber so!) Heute gibt es immer noch ein paar Kunden, die möchten unbedingt ihre Martinshörnchen mit Marmelade gefüllt haben. Als Kundenverliebtes Unternehmen erfüllen wir natürlich auch diesen Wunsch.

Am Montag Morgen werden wir über 4000 von diesen leckeren Teilchen in unsere Läden schaffen und Bäcker Süpke wird sich dann mit einer Tasse Kaffee und seinem (mindestens zweitem) wohlverdientem Hörnchen ins Büro zurück ziehen. (denn der Meister liehhhbt Marzipan!)

Für das Plakat habe ich schon diese Woche ein paar Probe backen lassen und Fotografiert.

Vor zwei Wochen war ich in Weinheim zum Lehrgang Food Fotografie. Da hat uns ein Fotografen Meister 7 Stunden lang ganz viel beigebracht. Und eines der ersten Ergebnisse möchte ich hier (nicht ohne Stolz) veröffentlichen, damit auch meine fernen Leser sich Appetit auf leckere Martinshörnchen holen können.

martinshornchen

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12 Antworten

  1. hm, sieht lecker aus!
    für mich dann bitte marzipan und keine marmelade ;)
    liebe grüße aus nrw, wo um die martinszeit “weckmänner” mit pfeifen verspeist werden!

  2. Oh wie lecker! Von diesen Hörnchen habe ich noch nie gehört, sie sehen köstlich aus.

    Ich bin ja auch gebürtig aus NRW, aber wir haben die Pfeifen immer abgemacht, bevor wir die Weckmänner gegessen haben ;-)) Am besten sind die Weckmännchen mit Zuckerguss und gerösteten Mandeln. Die habe ich schon lange nicht mehr gegessen. Sollte ich mal wieder backen.

    Zu St. Martin gibt es auch traditionell Mutzenmändelchen, in Fett gebackene, tropfenförmige Teile aus festem Backpulverteig. Nachdem man mit der Laterne unterwegs war und total verfroren (ja, damals war es noch richtig kalt)nach Hause kam, gab es Kakao und Mutzenmändelchen. Sehr gemütlich!

    So einen Foodfotografie-Lehrgang würde ich auch gerne einmal besuchen. Dass es sich lohnt, sieht man ja an dem Foto. Wirklich gut geworden.

  3. ohja, die sehen tatsächlich sehr sehr lecker aus!
    danke für den tollen und interessanten artikel – ich finde es sehr schön von solchen bräuchen zu erfahren (und wenn es passt, ins eigene leben zu integrieren!)

    :o)

  4. ich wohne ja erst seit 4 jahren in nrw, und die weckmänner mit mandeln mag ich jetzt ÜBERHAUPT nicht! ;)
    ich stamme aus dem saarland, da gab es zu st. martin übrigens immer Martinsbrezeln, ebenfalls au süßem hefeteig, manchmal in zucker gewälzt oder eben natur. ich mochte sie nur in natur, vermutlich kommt daher auch die abneigung gegen weckmänner mit mandeln ;)
    jeder so, wie er es gewohnt ist, hihi…

  5. Ja, das ist doch lustig, was es so für Traditionen gibt! Ich war letzte Woche 3 Tage in NRW in einer Bäckerei. (Werde noch darüber berichten) Da fragte ich eine Verkäuferin wegen den Weckmännern aus. Sie erzählte mir, dass sie als Kind immer vom Opa Tabak geklaut hat und dann aus der Pfeife des Weckmanns geraucht hat!!!

  6. *gröhl*
    das ist ja nu auch nicht schlecht….
    übrigens ist hier im hefeteig für die weckmänner immer ein klitzekleines bißchen kardamom drin, was einen ganz besonderen, irgendwie weihnachtlichen geschmack bringt… das mag ich sehr!

  7. Martinshörnchen? Machen die auch Tatütatachen?

  8. @buchstaeblich: Nicht schlecht! Aber: Ißt man Bücher mit Stäbchen?

  9. …sehr lecker sehen diese Martinshörnchen aus…hier in Hessen sind sie mir leider bisher noch nicht begegnet.

  10. Baeckersuepke,

    nun sagen Sie bloß, Sie kennen die Buchstabensuppendiät nicht? Eine Schale Buchstabensuppe, ein Paar Essstäbchen, und man hat 20 Minütchen fürs Happachen!

    • Der Asiat ( 4 millarden Menschen, also etwas mehr als in thüringen) isst JEDE Suppe mit Stäbchen, auch Buchstabensuppe, und die sogar, wenn er gar nicht lateinische Buchstaben kennt. Ich kann es gerne mal vorführen.

  11. stimmt überhaupt nicht. Es war einmal ein Junge, der hieß Martin und hatte seinen Vater geärgert,….

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