Thüringer Weihnachtsstollen sind besser als Dresdner Stollen

Die Meisten werden es vielleicht noch nicht wissen, aber es gibt seid 2005 einen Schutzverband für Thüringer Stollen. Als Antwort auf die geschützten Dresdner Stollen.

Seid 2006 backe ich auch „Thüringer Weihnachtsstollen“. Bzw ich habe meinen Butterstollen, welchen ich schon lange backe als „Thüringer Weihnachtsstollen“ zertifizieren lassen.

Einen Dresdner Stollen darf nur verkaufen, wer in Dresden eine Backstube hat, bzw. in der näheren Umgebung und eine Genehmigung vom Schutzverband bekommt. Eine Qualitätsanforderung an den Stollen an sich gibt es aber nicht. Das hat zur Folge, das es so viele Dresdner Stollen gibt wie es Dresdner Bäckereien gibt, welche die Erlaubnis haben den Namen zu führen. Und das es viele Menschen gibt, die von dem Dresdner Stollen enttäuscht sind. Das hat auch zur Folge, das es Großbäckereien gibt, die in Dresden eine klitzekleine Backstube haben und auf der grünen Wiese Massen an Stollen produzieren- für die großen Handelsketten. Damit es auch schön billige Dresdner Stollen bei Aldi, REWE und Co gibt.

Den Namen „Thüringer Weihnachtsstollen“ oder „Erfurter Schittchen“ darf man erst nach einer jährlichen Prüfung führen. Dabei wird nicht nur eine Qualitätsprüfung nach DLG Schema gemacht: Aussehen, Form, Geruch, Geschmack, Krume usw. (bei der man mit mindestens 4,5 Punkten abschließen muss, 5 ist die Höchstpunktzahl) sondern der Stollen wird auch im Labor untersucht ob er tatsächlich die Mindestanforderungen erfüllt.

Diese sind auf 100 kg Mehl:

  • 50% Fett, davon mindestens die Hälfte Butter
  • Sultaninen 55%
  • Zitronat und Orangeat 15%
  • Mandeln 10%

Schon allein bei diesen Zutaten wird klar, das man einen Kg Stollen nicht für 3.33€ verkaufen kann.

Die Stollen in Formen zu backen ist ebenfalls verboten. Der Thüringer Stollen wird meistens eingeschnitten und nicht eingeschlagen. Warum ist das so? Die meisten Thüringer mögen die flache „Hitsche“ nicht, weil sie beim Backen immer so trocken wird.

Der Meister bei dem ich gelernt habe war ja aus Mühlhausen. Als er das erste Jahr  in Schloßvippach Stollen gebacken hat, wurden diese nur mäßig gekauft. Er bekam richtig Panik. Das war „zu DDR Zeiten“ und da haben die Leute wie verrückt Stollen gekauft. Dann machte er seinen Hausbäcker Stollenbacktag. Jeder der rein kam, so erzählte er mir, sagte: „Aber ja nicht einschlagen, sondern nur schneiden!“ Da dämmertes es ihm langsam: “ Ich bin so blöd und mache mir die Arbeit und schlage die Stollen und die Leute hier wollen das gar nicht!“ Also schnitt er seine Stollen ab so fort nur noch und siehe da, sie waren ein Renner! Als ich das meiner Mutter erzählt habe- eine fanatische Backfrau- sagte sie mir genau das: „Die flache Hitsche wird beim backen immer so trocken!“

Meiner persönlichen Meinung nach gibt es noch folgende wesentlichen Unterschiede zwischen Dresdner und Thüringer Stollen: Die Dresdner Stollen sind eher trocken und sind würziger (also mit den üblichen Stollengewürzen). Die Thüringer sind eher saftig (sonst fallen sie bei den Kunden durch) und haben eine fruchtge Note. Also nicht nach Kardamon, Mazis etc, sondern nach vanille. Butter, Zitrone. Das ist natürlich wieder eine reine Geschmackssache. Wie man es gewohnt ist und lieber mag.

Auf jeden Fall haben wir Thüringer Bäcker keine Minderwertigkeitskomplexe gegenüber den Dresdner Stollen, welche sowohl als Billige als auch als Preisintensive unsere Supermarktregale überschwemmen. Denn unsere schmecken besser und sind saftiger. Das sagen unsere Kunden und auf die kommt es ja an.

Ich bin sicher, das es in Dresden einige Bäcker gibt die einen genialen, saftigen Stollen backen. Aber die Stollen in den Supermärkten haben den Namen „Dresdner Stollen“ kaputt gemacht. Deshalb bin ich froh das unser Schutzverband das rechtzeitig erkannt hat und Mindestanforderungen sowie eine jährliche Prüfung verlangt. So kann sich eine wirklich gute Marke bilden.

Und das es immer noch relativ wenige thüringer Bäcker gibt, die sich dieser Prüfung stellen spricht meiner Ansicht nach auch für sich.

stollenstuck

23 Antworten

  1. Lecker sieht der aus, dein Stollen und das Foto ist spitze! – Genau so kenne ich Stollen aus Kindheitstagen – nur ohne Puderzucker; so hat eben jede Gegend ihre Eigenheiten! Liebe Grüße Eva

  2. Schließe mich Eva uneingeschränkt an – bis auf den Puderzucker, der muss druff! Ich war übrigens auch schon oft enttäuscht vom Dresdner Stollen – trocken halt.

  3. Puderzucker muss sein! Genauso wie auf dem Bild sieht mein aus DD importierter Stollen aus und der schmeckt nicht trocken, Glück gehabt. Wie komme ich jetzt an das leckere Thüringer Vergleichsobjekt?

  4. Ist eben alles im Leben Geschmacksache – ich mag alles mit Puderzucker und Puderzuckerglasur nicht so gerne; weiß aber auch, dass ich da ziemlich alleine auf weiter Flur bin….

  5. Hallo, und danke für den Beitrag. Das mit dem geschützten Stollen wusste ich noch gar nicht. Man lernt ja nie aus. Also das Stollen Backen überlasse ich gerne dem Bäcker, denn es ist mir viel zu viel Arbeit.

    Das Joghurt Brot habe ich schon mal nachgebacken, doch irgendwie will es bei mir nicht so gelingen. Liebe Grüße Madeleine

  6. wo kann ich thüringer schittchen kaufen? ingeburg fischer

  7. Ich esse für mein Leben gern Stollen und habe letzte Woche mal einen Thüringer und einen Dresdner tatsächlich im Supermarkt gekauft (für 2,99 € pro Kilo!). Ergebnis: Beide schmecken sehr ähnlich und gleich gut und sind schön saftig und gut gewürzt. Ich hatte in der Woche davor einen teureren Dresdner Stollen beim Bäcker gekauft ) (11 € für das Kg), der war wirklich trocken und enttäuschend.
    Aber aus dem Supermarkt – alle Achtung, wenn das jeder Bäcker so hinbekommen würde!

    • Es wäre mal interessant zu wissen was da drin ist, damit er so saftig ist. Glukosesirup? Invertzuckersirup? Unsere Generation werden Archäologen noch nach 10.Tsd Jahren finden, weil wir uns auch lange frisch halten werden :-)

  8. Dresdner Stollen habe ich vor vielen Jahren zum letzten mal gegessen, als der noch aus der DDR kam. Wir haben den immer von einem Baecker in einem kleinen Dorf von Verwandten geschickt bekommen. Und oft haben wir die Zutaten vorher hingesandt – es gab ja die guten Sachen nicht immer in der DDR zu kaufen.
    Das ist jetzt alles Geschichte.
    Hier in Irland gibt’s nur den Stollen von Lidl, essbar aber nichts besonderes.
    Echter Stollen ist eher kruemelig (mhhhhh!!), der Supermarktstollen ist mehr wie Rosinenbrot.

  9. [...] ich mich, denn ich wollte wissen, was in einem Industriestollen so drin ist, nachdem Martin seinen Kommentar hier geschrieben hat. Außerdem koste ich gern mal andere Stollen, vielleicht kann man ja was [...]

  10. Hallo Bäcker Süpke und Komentatoren,

    meines Wissens ist der nur der „ORIGINL Dresdner Stollen“ geschützt und wird durch den Stollenschutzverband kontrolliert.

    Der Stollen wurde ja in Dresden „erfunden“, aber leider haben die Dresdner Bäcker es verschlafen, sich die Bezeichnung nach der Wende schützen zu lassen.
    So kann also jeder Dresdner Christstollen (manche schreiben auch Echter Dresdner Christstollen drauf) herstellen, aber nur wenige den „Original Dresdner Stollen“, bei dem dann auch durch den Schutzverband kontrolliert wird, welche Zutaten drin sind also nur die, die auch sohon seit ein paar 100 Jahren und länger verwendet werden und kein Glukosesirup und sicherlich auch Mindestmengen von Zutaten (z.B. guter Butter, Rosinen etc).

    Wer nicht Mitglied im Schutzverband ist, darf nicht ORIGINAL Dresdner Christstollen draufschreiben.

    Es gibt hier mindestens eine Großbäckei (Hart*mann) die auch Mitglied im Schutzverband ist und deren Stollen nach meiner persönlichen Meinung nichts mit Dresdner Christstollen zu tun haben. Deren Stollen gibts in großen Handelsketten, meistens in 1 kg Packungen.

    Meine Oma hatte ihre eigene Mengenliste. Sie hat dann die teuren Zutaten wie Zitronat und Butter selber gekauft und mit der Liste beim Bäcker abgegeben. Dann bekam sie eine Nummer und den Termin, wann sie ihre Stollen abholen konnte. Der Bäcker hatte einen Stollenwagen, das war eine Art Gerüst mit Kuchenblechen und unten mit Rädern. Auf diesem Gerüst wurden die ca. 15 Stollen dann nach Hause gefahren, damit sie auch nicht zerbrechen. (Damals gab es im Umkreis von 500m ca. 5 Bäcker!)

    FAZIT:
    Wer guten Stollen will,
    geht 1. zu einem guten Bäcker (egal ob aus Sachsen oder Thüringen) der nur Originalzutaten nimmt und nicht an der Menge der teuren Zutaten spart.
    Deshalb hat 2. ein guter Stollen immer seinen Preis.
    3. Auch Bäckereien, die nicht im Schutzverband sind (Mitgliedschaft kostet …)können einen guten Stollen ohne Siegel herstellen.
    4. Der Stollen muss lange gelagert werden (Mindestens 4 Wochen, kühl und in Räumen mit nicht zu trockener Luft damit er richtig durchzieht, die Rosinen schmecken dann nicht trocken). Wenn es ein Stollen mit Original Zutaten ist, dann ist er nach dem Backen furztrocken und man kann ihn bestenfalls in den Kaffee ditschen – reine Verschwendung.
    5. Der Stollen wird nicht beim Bäcker gelagert, Ihr müsst ihn rechtzeitig kaufen.
    6. Damit der Stollen richtig durchzieht, muss auch Masse vorhanden sein. Ich glaube 2 Pfund sind da zu wenig.

    Den besten Stollen in meinem Leben habe ich im Mai 1986 gegessen. Ich hatte ihn Weihnachten im Küchenschrank (meiner kalten Küche) vergessen. Zuerst war ich mir nicht sicher, ob er überhaupt genießbar ist. Dann haben wir uns fast drum gestritten.

    Er war ganz durchgezogen, feucht und schmeckte wunderbar so in etwa Richtung Marzipan, die Rosinen waren ganz prall.

    Richtiger Stollen ist auch richtig teuer. Besser einmal guten Stollen essen, als öfters diesen billigen Dreck, den es im Supermarkt zu kaufen gibt. Schließlich soll Stollen etwas besonderes sein und wenn er gut schmecken soll ist er leider auch besonders gehaltvoll.

    Frohe Weihnachten

  11. @Stollenesserin: Danke für Deinen sehr interessanten Kommentar! Aber seid Gestern weiß ich (sehr verwundert!) der erste Stollen kam Aus Arnstadt!!!

    Hier aus der Thüringer Allgemeinen vom Samstag:

    Der erste Stollen kam aus Arnstadt
    Urkunden belegen, dass ab dem Jahr 1426 Cristwecken in Arnstadt verteilt wurde – der Stollen scheint von da seinen Weg durch ganz Thüringen genommen zu haben.

    ARNSTADT. Die ersten urkundlich nachweisbaren Weihnachtsstollen Mitteldeutschlands haben die Bäcker in Naumburg im Jahr 1329 gebacken. Deren Bischof wollte solch ein Weihnachtsbrot essen und bestellte jährlich davon zwei Stück. Der älteste Nachweis für Thüringer Stollen jedoch kommt aus Arnstadt. In diesen fernen Zeiten war er allerdings längst nicht so wohlschmeckend wie heute. Damals durfte in der Fastenzeit, und die Adventszeit zählte als Fastenzeit, nicht alles gegessen werden. Dazu gehörten unter anderem auch Butter und Milch. Der Stollen bestand deshalb aus Wasser, Hafer und Rüböl. Der älteste Nachweis für Thüringer Stollen jedoch stammt aus Arnstadt. Geht man also davon aus, dass Naumburg in geografischer Hinsicht mit etwas gutem Willen als Randthüringer Gebiet bezeichnet werden kann, rückt die frühe Erwähnung des als „cristwecke“ bezeichneten Weihnachtsstollens im zentral gelegenen Arnstadt in besonderes Licht.Nach der Naumburger Erwähnung folgten bisher in der Literatur Arnstädter Nennungen für das beliebte Weihnachtsgebäck für die Zeit ab 1443. Der Historiker Peter Unger hatte diese Daten schon Anfang der 1980er Jahre als Archivar im Arnstädter Stadt- und Kreisarchiv entdeckt und sie an den Arnstädter Ethnographen Ernst Stahl weitergegeben, der sie später publizierte. …Mehr dazu lesen Sie in der Thüringer Allgemeine.

    19.12.2008

  12. Hallo Meister,
    da wollte ich eigentlich nur nochmal vorbeischneien, um dem Toastbrot die letzten Finessen seiner Entstehungsgeschichte zu entlocken und nun das.
    Ich seh den Artikel vom Thüringer Stollen und bin sofort begeistert. Jahrelang die Dresdner Variante gebacken (nach einem alten DDR-Rezeptheft), unendlich Lust auf was Neues und nun dies: Ein Stollen vom Bäcker der Bäcker und kein Rezept weit und breit zu sehen. Aber ist ja verständlich. So hab ich mich auf die Suche begeben und der chefkoch hat tatsächlich eins im Programm und das sieht ganz nachbackbar aus (es gibt auch eines unter dem Namen Schittchen- aber das ist mit der mir verhassten Margarine).
    Ich werd schon irgendwie ein Stück der Version Thuringia-Süpke in den Schwarzwald bekommen und dann mit dem vergleichen, was chefkoch.de und ich so zaubern werden.
    Im übrigen hatte ich Schittchen erst für ein gar lustig Verschreiberlein gehalten, aber es heißt ja wirklich so :-)

    lieber Gruß
    Svenson

  13. „Aber ja nicht einschlagen, sondern nur schneiden!“
    Bin ‘umgebauter’ Deutscher, (Ami heisst das hier.)
    (Leipziger, ‘49 weg) Bitte erklaeren Sie den Unterschied von obener Zeile.
    Auch, wuerden Sie in die US liefern?
    Danke, Wolf

  14. Hall Peter B Wolf! Ein geschnittener Stollen wird einfach lang wie ein Brot gemacht und vor dem Backen einmal längs mit dem Messer eingeschnitten. Ein geschlagener Stollen wird nach dem lang formen mit einem Holz gedrückt, eine Seite flach gerollt und dann über die dicke Seite gelegt. Also überschlagen.
    Ich weiß nicht ob man einen Stollen in die USA schicken darf. Keine Ahnung,. Auch nicht was es kosten würde…

  15. Hallo ,Meister Süpke
    Möchte Sie herzlich um das Thüringer Stollenrezept bitten .Im Voraus besten Dank!
    Ihre Urse

    • das überlege ich mir erst noch!

      • Gaaanz leise ‘reinschleich und flüster: weißt Du was ich heute gemacht habe?
        Aus Deinem Osterbrot mit Orangeat und Zitronat einfach die Weihnachtsvariante gebastelt. Meine Kinder sind Happy. Wir sind hier nicht sooo die Stollenesser, aber das Brotrezept war gleich nach dem ersten Nachbacken für die Weihnachstversion gebongt. ;-)
        LG Heidi

  16. Lieber Meister Süpke,
    Weihnachten ist aber bald.
    Möchte den Thüringer Stollen, möglichst schon
    im Advent backen,damit er gut durchgezogen ist.
    Bitte, bitte das gute Rezept schicken Danke, danke!!!!!
    Herzliche Grüße Urse

  17. [...] baeckersuepke zu Gib mir 5!Jeremy zu Katharina die ErsteOlaf zu Gib mir 5!urse zu Thüringer Weihnachtsstollen si…zorra zu Gib [...]

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