Wie soll man Stollen lagern?

Jetzt habe ich fast die ganze Nacht über Anettes Problem nachgedacht!

Deshalb möchte ich gleich ein paar Sachen schreiben, die für alle Hobbystollenbäcker interessant sein könnten. Ich bin erst mal zu dem Schluss gekommen das Anettes Stollen nicht bei der Lagerung ranzig geworden ist, sondern vielleicht bei der Teigbereitung. Das müssen wir noch klären. Dann hätte die Butter vielleicht schon “einen weg gehabt” und dann war vielleicht der Teig schön warm und schön lange geführt und somit ist die Butter umgekippt. Oder die Butter mit welcher der Stollen gebuttert wurde war schuld.

Auf jeden Fall buttern und zuckern wir Bäcker die Stollen nach dem Backen und lassen sie dann mindestens einen Tag kühl stehen. Erst dann kommt der Puderzucker (mit ein ganz klein wenig Stärke vermischt, dann saugt er sich nicht voll!) auf die Stollen und erst dann werden sie verpackt! Sonst sind sie zum Einem noch zu zerbrechlich und zum Anderen sind sie nicht genug ausgedünstet.

Dann sollten sie liegen. Aber wie lange? Ich habe die persönliche Erfahrung gemacht (durch Selbstversuche), das mein Stollen schon nach zwei Tagen gut schmeckt. Nach einer Woche schmeckt er am Besten. Und dann steigert es sich eigentlich nicht. Ich weiß, das viele sagen, ein Stollen soll mindestens zwei Wochen liegen, aber ich habe Stollen von warm bis 10 Monate alt gegessen und ich glaube nach einer Woche ist das Optimum erreicht. Wer etwas anderes sagt, soll es ruhig. Es gibt ja einen Bäcker im Erzgebirge, welcher seine Stollen für 4 Wochen unverpackt in einen Bergwerksstollen lagert. Das ist eine sehr gute Idee, vor allem aber eine gute Marketing Idee. Die guten Dresdener Bäcker sagen auch zwei Wochen Lagerung, aber ob sie sich wirklich immer daran halten?

Dann erzählen mir immer wieder (vor allem ältere) Kunden, dass sie früher Stollen bis Ostern gegessen haben. Und das ist kein Problem, wenn man die Stollen kühl lagert, also unter 15°C. Dann halten sie sich, gut verpackt, mindestens so lange. Der hohe Zucker Anteil durch die Früchte konserviert den Stollen auf natürliche Weise.

Dieses Jahr hatte ich ein besonderes Erlebnis. Ich kam Abends auf Arbeit und da lag eine Tüte auf meinem Schreibtisch. Das bedeutet: Reklamation! Meister schau dir mal an was das für ein …. ist! Da krieg ich gleich, bevor ich es ausgepackt habe einen dicken Hals. Was ist denn nun schon wieder passiert?

Herr Hoschkara war noch da und ich frage ihn: Von wem ist denn das?

Von der Verkaüferin XY. Das sollst du dir mal anschauen.

Ich packe es aus: Einen Scheibe Meisterstollen. “Was ist damit?” Frage ich.

Koste es doch mal! sagt Herr Hoschkara.

Bei mir gehen alle Alarmglocken an: Hoffentlich ist nichts mit den Stollen (was auch leider mal passiert). Ich koste. Der Stollen schmeckt ganz normal, ist aber schon schön durchgezogen. Da ich erst zwei Wochen Stollen backe, kann es nur von dem ersten Schwung sein.

“Schmeckt ganz normal!” sage ich.

Den hat Frau XY beim Aufräumen ihrer Abstellkammer gefunden. Der ist noch vom letzten Jahr!

Also, so einen “alten” Stollen habe ich noch nie gegessen und ich hätte auch nicht gedacht, dass er sich über den Sommer hinweg hält. Ich hätte gedacht er schimmelt oder er wird trocken. Und er war auch nicht ranzig oder so. Hut ab!

In meinen Stollen sind ja keinerlei komische Sachen drin wie Konservierungsstoffe oder Emulgatoren. Sondern nur was man zu Hause auch zum backen nimmt. Deshalb gelten meine Tipps auch für alle Hobbybäcker.

Aber mit Anettes Stollen, das müssen wir klären!

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11 Antworten

  1. Schön zu lesen, dass 4 Wochen Ruhezeit offensichtlich eine Mär ist. Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, dass meine Stollen noch nie Weihnachten erlebten, wenn ich sie am 1.Advent gebacken habe. ;-)

  2. Das geht meinen Kunden auch immer so: einmal probiert, wird der Stollen auch aufgefuttert. Also wahrlich kein Grund für ein schlechtes Gewissen! Einfach mehr backen…

  3. Bei mir ist er zum Glück nicht ranzig geworden. Er schmeckt himmlisch: http://kochtopf.twoday.net/stories/5391387/

  4. Also ich habe meine Stollen noch nie vor der vier-wöchentlichen Ruhezeit angeschnitten… Aber es stimmt, auch meine Stollen halten locker bis zu einem Jahr. Nur im vorletzten Sommer ist der übriggebliebene Stollen erst warm und dann flüssig geworden… Den haben wir dann nicht einmal ausgepackt sondern gleich entsorgt.

  5. das ein stollen noch an ostern schmeckt kann ich gestätigten, das war immer der meinige ;-)

    nun habe ich über jahre keine stollen gebacken, doch das rezept zu testen juckt mich gewaltig!

    ich umhülle den stollen mit backpapier und lege ihn in eine große keksdose, die kühl aufbewahrt wird. jedoch nicht zu kalt, das tut der butter auf dem stollen nicht sooo gut ;-)
    im übrigen hatte ich noch nie ranzigen stollen.

  6. Habe das Rezept bei der Kaltmamsell gefunden und es ist der 1. Stollen meines Lebens und gleich gelungen! Bin schon sehr gespannt wie er nächste Woche schmeckt.
    Gruß aus Bayern

  7. Ich finde diese Beschreibungen so klasse , dass ich nächste Woche
    anfange die Stollen ,das erste Mal , zu backen!!!
    Mfg. M. aus Bayern

  8. Im Erzgebirge darf Stollen NIEMALS vor HeilgAbend gegessen werden. ;-) Aber wie dem auch sei, die besten Stollen kommen definitiv aus Sachsen und Thüringen und ich esse Stollen auch schon im Oktober. Ich lieeeeeeeebe Stollen.

    Ich bin von Bäckermeister Süpkes Backrezepten TOTAAAAAAAAAAAL begeistert!

  9. Darf ich das Weblog von Bäcker Süpke bei mir mit verlinken?

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