Katharina die Erste

Gestern war ich mit meiner Familie im Thüringen Park in Erfurt. Anlass war die offizielle Eröffnung der Stollensaison durch den Schutzverband Thüringer Weihnachtsstollen. Dabei wurde die neue Stollenkönigin “Katharina die Erste” gekrönt. Sie ist Konditorin in der Konditorei Cafe Grässner in Suhl und heißt richtig Katharina Dießl. Außerdem, das war der Grund unseres Kommens, erhielten die Bäckermeister, welche an der Qualitätsprüfung teilgenommen hatten ihre Urkunden.

Die Namen “Thüringer Weihnachtsstollen” oder “Erfurter Schittchen” sind geschützt und man darf sie nur verwenden, wenn man vorher die Stollen einer Qualitäts– und Inhalts- Überprüfung unterzogen hat. Dann bekommt man die besagte Urkunde und kann ein Jahr mit dem Namen werben.

Die Mindestanforderungen sind: auf 100kg Mehl müssen mindestens

  • 50 kg Fett, davon mind. 25 % Butter
  • 55 kg Sultaninen
  • 15 kg Zitronat und Orangeat und
  • 10 kg Mandeln, süß oder bitter enthalten sein.

Diese Inhaltsstoffe werden bei der Prüfung in einem Labor überprüft. Außerdem findet eine Qualitäts- Bewertung nach DLG Schema statt. Von 5 möglichen Punkten muss man mindestens 4,5 erreichen um den Namen nutzen zu können. 2007 und 2008 habe ich jedes mal 5,0 erreicht, worauf ich natürlich stolz bin. (Das Ergebnis von diesem Jahr habe ich noch nicht)

Königin1

Katharina die Erste kommt auf einer Rolltreppe an geschwebt

Stollenkönigin 1

Krönungs- Zeremonie durch den Vorsitzenden des Schutzverbandes, welcher bezeichnenderweise Heiko Stolle heißt.

Anschnitt

Die Stollensaison ist eröffnet, wenn die Stollenkönigin den ersten Stollen anschneidet.

Verkostung

Anschließend wurden die Stollen zum Verkosten angeboten. Wir kosteten natürlich mit, denn man kann ja immer was lernen. Eine Kostprobe schmeckte fast wie mein Stollen. Schön saftig und fruchtig. Nur “im Abgang” schmeckte er mehr nach Stollengewürz als meiner. Eine andere Kostprobe war dagegen etwas zu trocken. Diese hatte auch einen dunklen Boden. Als die Königin das dritte mal mit dem Tablett vorbei kam konnte ich aber nicht mehr. Deshalb sagte ich zur Besten Bäckersfrau von Allen, das ich doch jetzt gern mal von der Stollenkönigin abbeißen würde, was mir einen Rippenstoß einbrachte. :roll:

Es gab auch ein Preisausschreiben mit Fragen rund um den Stollen. Meine beiden Kinder machten mit, wobei der Vati natürlich etwas half. Zum Beispiel beider Frage: Was wurde in der DDR anstelle von Zitronat in den Stollen gemacht? Das waren natürlich grüne Tomaten. Und siehe da: Meine Josefine gewann einen Rucksack und:….. Einen Stollen!!!!

Josefine

Anschließend wurden die Urkunden vergeben

Urkunde

Zum Schluss fragte ich Eure Hoheit Katharina die Erste noch nach einem gemeinsamen Foto. Diese Bitte wurde mir huldvoll gewährt.

Stollenkönig und Bäcker Süpke

Urkunde Thüringer Weihnachtsstollen0001

Ach so: Den Stollen kann man hier kaufen!

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12 Antworten

  1. Hallo Wolfgang,
    schöner Bericht und schnuckelige Stollen-Hoheit. :cool:
    Gratulation zur erneuten Urkunde:!:
    Grüne Tomate als Zitronat – ich fasse es nicht! :mrgreen” – Äkssss…. :-(
    Nun weiß ich wenigstens woher mein angespanntes Verhältnis zur Stolle kommen könnte. Wonach hat das Zeug denn geschmeckt? Hoffentlich im besten Falle nach gar nix… :lol:
    LG Heidi

    • Das kam gerade heraus als ich Bäcker gelernt habe. Deshalb konnte ich es gut verfolgen. Die Fachlehrer waren natürlich nicht angetan von den verharmlost genannten “Substituten” Am Anfang hat man tatsächlich versucht das Zeugs zu aromatisieren. Nach heftigen Beschwerden der Kunden wurde es dann ohne Geschmack angeboten. Für Mandeln gab es übrigends Aprikosenkerne. Die haben lecker geschmeckt. Ich mußte allerdings mal Stundenlang die Schale von den Kernen trennen. Das war nicht lustig!

  2. Hallo Meister Süpke,
    was ist denn alles drin im Stollengewürz.

    Herzlichen Glückwunsch zur Urkunde.

  3. “hat die Qualitätsprüfung erfolgreich bestanden” Daran hab ich nie gezweifelt, obwohl ich noch nie einen Süpke-Stollen gegessen habe.

  4. congratulations!

  5. Hallo Bäcker Süpke,
    ich schnüffele immer einmal wieder durch Deinen Blog und muss mich doch auch immer wieder wundern. Ich komme aus dem Land Brandenburg bei Berlin :-), aber unser Bäcker grüne Tomaten in den Stollen gemacht haben soll ist mir neu. Mein Schulfreund war nämlich Bäckersohn einer Bäckereidynastie und wir halfen gerne beim Putzen. Eines meiner Lieblingsnaschereien war Sukkade, sprich Zitronat, die natürlich auch in den Teekuchen kam. Was es nicht gab, Orangeat. Ich glaube Limettensukkade und Orangensukkade gab es erst nach 1990. Wir hätten unseren Bäckern auch was erzählt für diesen Schwindel. Hier kann ich Dir also nicht beipflichten.
    VG
    Erdmann

    • zu welcher Zeit war das? Mit den grünen Tomaten war so 84 bis 86.
      Vorher gab es noch “richtige” Zutaten

  6. Wann das war? In der Schule war ich da natürlich nicht mehr, habe mir aber immer meinen Stollen dort geholt, er war saftiger als bei Omma, wo er nur mit mehreren Tassen Kaffee zu genießen war. :-)
    Also immer, bis zur Wende. Ich weiß nicht, wie der Bäcker das hinbekommen hat, vielleicht hat er auch gesammelt oder Sukkade selber gemacht. Das es oft eng war, das kenne ich auch, doch so eng bei uns nicht.
    Was ich nie vergesse, Es gab dort immer ganz tolle Zitronentaschen. Ein geklappter Biskuit, der mit einer ganz fluffigen zitronigen, nicht übersüßten, Zitronencreme gefüllt war. Habe schon überall gesucht, denke, es war ein Rouladenbiskuit. Habe auch mal gelesen, dass es einen Konditor-Omelettteig gibt, der nicht bricht. Kannst Du mir da weiter helfen?

    VG
    Clara und Erdmann

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