Der Salzstreit geht weiter…

Die Eu Kommission hat es also doch nicht aufgegeben den Bürger vorschreiben zu wollen wie viel Salz sie essen. Obwohl es doch schon einen Rückzieher gab. Aber das war vor der Wahl!
Zentralverband
„Unangemessene Bevormundung“

12.11.2009

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hat sich inoch einmal mit Nachdruck gegen die Reduzierung des Salzanteils in Brot und Backwaren durch die Entscheidungsträger der Europäischen Union ausgesprochen. Der ZV sprach in diesem Zusammenhang von einer „unangemessenen Bevormundung“ und forderte die Bundesregierung zur Unterstützung auf.
Hintergrund der ungewöhnlich scharfen Reaktion ist, dass nach wie vor von Seiten der EU-Kommission Regulierungsvorschläge auf dem Tisch liegen, welche die Salzaufnahme durch Lebensmittel europaweit deutlich einschränken sollen. Beim Brot steht ein Höchstsatz von 1,2% berechnet auf den Mehlanteil zur Debatte. In Deutschland liegt der Mittelwert zurzeit bei 2–2,2%. Die EU-Verantwortlichen begründen ihre Initiative mit gesundheitlichen Vorteilen durch verminderte Salzaufnahme.
Das ZV-Präsidium kann sich dieser Argumentationskette nicht anschließen und verweist auf Studien, wonach sich bei gesunden Menschen keine negativen Auswirkungen durch die alltägliche Salzzufuhr ergeben würden. „Die EU-Kommission ignoriert bewusst wissenschaftliche Erkenntnisse in Zusammenhang mit der täglichen Salzaufnahme“, kritisiert ZV-Hauptgeschäftsführer Dr. Eberhard Groebel. Man ziehe dort lediglich solche Studien und Gutachten heran, die der – wohl eher politischen – Zielsetzung einer Salzreduktion entsprechen würden. Der ZV sieht dies als „Deckmantel vorgeblicher Verbraucherschutzpolitik“.
Eine Frage des guten Geschmacks
Ein weiteres Argument bringt ZV-Präsident Peter Becker auf den Punkt: Warum soll das Brot in der gesamtem Europäischen Union, vom Nordkap bis nach Sizilien, gleich schmecken? Salz sei ein Geschmacksträger und wichtiger Bestandteil in Brot und Backwaren. Regionale Vielfalt müsse erhalten bleiben. Groebel, der auch Generalsekretär des europäischen Dachverbandes der Bäcker- und Konditorenverbände CEBP ist, weiß die rund 190.000 europäischen Mitgliedsbetriebe an seiner Seite. Er kündigte einen europaweiten Aktionstag an, an dem salzhaltiges und salzarmes Brot – quasi als Geschmackstest – zur Verkostung kommen sollen.
Der ZV vermutet in dem Bestreben nach Salzreduzierung eine gezielte Lobbyarbeit der Industrie. Große Konzerne der Brotproduktion könnten sich durch schematisierte Arbeitsabläufe und ebensolche Produkte Marktvorteile verschaffen. Darüber hinaus habe die chemische Industrie ein gesteigertes Interesse. Sie spekuliere auf gute Geschäfte mit Salzersatzstoffen. Die Verwendung von chemisch hergestellten Geschmacksersatzstoffen anstelle von Salz wolle man auf jeden Fall verhindern, erklärte Peter Becker.
Inzwischen hat die Kritik erste Erfolge bewirkt. Wie vor kurzem aus Brüssel verlautet, wurde der als zulässig angesehene Wert inzwischen auf 1,5% nach oben korrigiert. Auch wolle man, so war aus Kommissionskreisen zu hören, höhere Salzgehalte nicht grundsätzlich verbieten. Die Bäcker dürften dann nur nicht mehr mit der Bezeichnung „gesundes Brot“ werben.
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7 Antworten

  1. In der Schweiz sind die beiden Grossverteiler, auf Drängen des Bundesamtes für Gesundheit daran, in vorauseilendem Gehorsam den Salzgehalt in ihren Broten zu reduzieren.
    70 % der Produkte sollen einen Salzgehalt von maximal 1,5 %, 95 % der Produkte maximal 1,8 % Salz enthalten. Die privaten Bäckereien machen da (noch) nicht mit.

  2. Wieder so eine blödsinnige Verordnung, wie die Krümmung von Schlangengurken.
    ich kann da nur den Kopf schütteln.

  3. Hoffentlich wird das erneut auch durch die Medien aufgegriffen. Nach so viel Ersatz-Skandalen und Forderungen nach deren Kennzeichnung (Schinken, Käse) nun auch noch Salzersatz!
    Was die Zucker-austauschstoffe dem Diabetiker bringen (nichts, oder zusätzliche Belastung) – da ist man inzwischen ja wohl auch schon anständig zurückgerudert!
    Was Salz-austauschstoffe dem Endverbraucher bringen, ist derzeit noch offen oder mehr, als fragwürdig…
    Hmmm – eventuell einfach die Ernährung komplett auf Ersatzstoffe umstellen und besonders geschickt “getürkte” Designer-Produkte mit einer qualitativ hochwertigen Auszeichnungsbanderole “schönen Gruß vom Chemie-Labor Ihres Vertrauens” versehen!
    Wenn es eng kommt, dann muss eben mit dem vollen, natürlichem Geschmack gepunktet (geworben) werden.

    • Wenn den Leuten dann der natürliche Geschmack noch schmeckt. Das ist bei der Jugend schon ein Problem…

  4. So weit ich weiß, ist Salz auch ein wichtiges Strukturelement im Teig, also nicht nur für den Geschmack zuständig. Ich rechne eigentlich immer mit 1,5 Prozent. 1,2 finde ich jetzt lätschert, um es mal ganz bayerisch auszudrücken…

  5. Was für ein Unfug, als ob Europa nicht schon an genug Regelungswahnsinn ersticken würde. Als nächstes kommt dann wahrscheinlich das Verbot von Fett in Joghurt und Wurstwaren? Ich lasse mir von Lobby-bezahlten Bürokraten jedenfalls keine Pseudo-Ernährungsvorschriften machen. Wohin das führt sieht man ja an Regelungen wie bei den Amerikanern zu Rohmilchkäse. Ich stimme Dir zu, das dient allein den Grosskonzernen – statt den Mittelstand und das Handwerk zu stützen.

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