Ich bin nicht mehr Mitglied bei slow baking

Svenson hat mich neulich gefragt wieso ich auf der Internet Seite von slow baking nicht mehr bei den Mitglieds Bäckereien zu sehen bin.

Der Grund ist, das es in diesem Jahr erhebliche Differenzen innerhalb des Vereins gab. Daraufhin sind einige Mitglieder ausgetreten. Ich gehöre ebenfalls dazu. Seid diesen Austritten kann man nicht mehr sehen wer alles Mitglied bei slow baking ist, sondern nur noch wer zertifiziert ist. So kann man nicht nachvollziehen wie viele jetzt ausgetreten sind.

Ich hatte mich im Januar 2009 zur Vollzertifizierung angemeldet. Endlich! Nach 6 Jahren Umstellung. Ich habe alle Regeln erfüllt. Das war ein langer Weg und es hat mich erst mal ein paar Kunden gekostet, denn es gab doch öfter Qualitäts- Schwankungen. (Jetzt haben wir mehr Erfahrung mit dem langsamen Backen  und eine Art Qualitätssicherung eingeführt. Das hilft doch sehr.) Weiterlesen

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Katharina die Erste

Gestern war ich mit meiner Familie im Thüringen Park in Erfurt. Anlass war die offizielle Eröffnung der Stollensaison durch den Schutzverband Thüringer Weihnachtsstollen. Dabei wurde die neue Stollenkönigin „Katharina die Erste“ gekrönt. Sie ist Konditorin in der Konditorei Cafe Grässner in Suhl und heißt richtig Katharina Dießl. Außerdem, das war der Grund unseres Kommens, erhielten die Bäckermeister, welche an der Qualitätsprüfung teilgenommen hatten ihre Urkunden.

Die Namen „Thüringer Weihnachtsstollen“ oder „Erfurter Schittchen“ sind geschützt und man darf sie nur verwenden, wenn man vorher die Stollen einer Qualitäts– und Inhalts- Überprüfung unterzogen hat. Dann bekommt man die besagte Urkunde und kann ein Jahr mit dem Namen werben.

Die Mindestanforderungen sind: auf 100kg Mehl müssen mindestens

  • 50 kg Fett, davon mind. 25 % Butter
  • 55 kg Sultaninen
  • 15 kg Zitronat und Orangeat und
  • 10 kg Mandeln, süß oder bitter enthalten sein.

Diese Inhaltsstoffe werden bei der Prüfung in einem Labor überprüft. Außerdem findet eine Qualitäts- Bewertung nach DLG Schema statt. Von 5 möglichen Punkten muss man mindestens 4,5 erreichen um den Namen nutzen zu können. 2007 und 2008 habe ich jedes mal 5,0 erreicht, worauf ich natürlich stolz bin. (Das Ergebnis von diesem Jahr habe ich noch nicht)

Königin1

Katharina die Erste kommt auf einer Rolltreppe an geschwebt

Stollenkönigin 1

Krönungs- Zeremonie durch den Vorsitzenden des Schutzverbandes, welcher bezeichnenderweise Heiko Stolle heißt.

Anschnitt

Die Stollensaison ist eröffnet, wenn die Stollenkönigin den ersten Stollen anschneidet.

Verkostung

Anschließend wurden die Stollen zum Verkosten angeboten. Wir kosteten natürlich mit, denn man kann ja immer was lernen. Eine Kostprobe schmeckte fast wie mein Stollen. Schön saftig und fruchtig. Nur „im Abgang“ schmeckte er mehr nach Stollengewürz als meiner. Eine andere Kostprobe war dagegen etwas zu trocken. Diese hatte auch einen dunklen Boden. Als die Königin das dritte mal mit dem Tablett vorbei kam konnte ich aber nicht mehr. Deshalb sagte ich zur Besten Bäckersfrau von Allen, das ich doch jetzt gern mal von der Stollenkönigin abbeißen würde, was mir einen Rippenstoß einbrachte. 🙄

Es gab auch ein Preisausschreiben mit Fragen rund um den Stollen. Meine beiden Kinder machten mit, wobei der Vati natürlich etwas half. Zum Beispiel beider Frage: Was wurde in der DDR anstelle von Zitronat in den Stollen gemacht? Das waren natürlich grüne Tomaten. Und siehe da: Meine Josefine gewann einen Rucksack und:….. Einen Stollen!!!!

Josefine

Anschließend wurden die Urkunden vergeben

Urkunde

Zum Schluss fragte ich Eure Hoheit Katharina die Erste noch nach einem gemeinsamen Foto. Diese Bitte wurde mir huldvoll gewährt.

Stollenkönig und Bäcker Süpke

Urkunde Thüringer Weihnachtsstollen0001

Ach so: Den Stollen kann man hier kaufen!

Blogparade PR Doktor- Wie verkaufen Sie Kundennutzen?

Wie jeden Morgen kurz vor sieben stehen wir um den Tisch an der Brötchenmaschine. Die Bäcker von der Nachtschicht, müde und Hungrig und die Bäcker/innen von der Tagschicht, die jetzt anfangen.

„Käsebrötchen?“ fragt Patrick. Nimmt ein Käsebrötchen aus der Kiste, wendet es, reißt ein Stück ab und futtert es. Heike von der Tagschicht nimmt das andere Käsebrötchen in die Hand, dreht und wendet es und sagt: „Eins! Nicht zu hell und nicht zu dunkel und genug Käse ist dieses mal auch drauf!“ „Ich finde es sieht etwas angefressen aus!“ sage ich und alle lachen. „Aber sonst finde ich es auch ok!“ „Also eins !?“ sagt Patrick und trägt die Note in die Liste ein.

Wir machen das jeden Morgen. Qualitäts- Besprechung. Nicht um zu kritisieren, sondern um voneinander zu lernen und Besser zu werden.

„Schweineohren?“ „Riesig!“ „Schön viel Schokolade und schön bezogen!“ „Aber nicht NOCH größer! So reichts! Oder?“ sagt Heike. „Ja!“ sage ich, „jetzt sind sie mir groß genug!“

„Mir ist aufgefallen das die Schweineohren hier sehr groß sind!“ sagt der Neue, Christian, an mich gerichtet. „Wie groß waren sie denn bei deinem alten Chef?“ frage ich „Na halb so groß!“ „Waren sie mit Butter oder mit Margarine?“ „Mit Butter!“ „Siehst du“ sage ich „unsere sind MIT Butter UND die größten hier in der Gegend. So haben wir ein Alleinstellungsmerkmal. Dioe Kunden loben unsere Schweineohren für ihren herrlichen Geschmack, aber die von Bäckerei B sind größer. Jetzt sind unsere die leckersten UND die Größten!“

Gegessen wird doch immer!

sagen Menschen zu mir wenn sie erfahren das ich eine Bäckerei habe. Soll heißen: Das verkauft sich doch von selbst, geht weg wie warme Semmeln. Aber das war einmal! Backwaren sind Heute zum Ramsch verkommen. Aktuelles Beispiel: 1kg Stollen Heute bei Aldi 2,19€ bei Bäcker Süpke 11,00€.

Warum sollen die Kunden zu mir kommen? Welchen Nutzen haben sie davon? Wie werden sie begeistert? Wie bringe ich meinen Kunden nahe das meine Backwaren besonders sind? Das sind Fragen die meine Branche / ergo mich/ sehr beschäftigen. Und da es Thema der Blogparade bei PR Doktor ist, möchte ich gern meine Erfahrungen, meine Sicht beitragen.

Was ist das Besondere, der besonderen Nutzen den meine Kunden haben wenn sie bei mir einkaufen?

2003 habe ich mich entschieden aus dem Mainstraem der Tütenbäcker aus zu scheren und wieder alles auf natürliche Weise herzustellen. Nach vielen Schwierigkeiten und auch Qualitätsproblemen kann ich jetzt stolz zu meinen Kunden sagen:

  • Ich verwende keine chemischen Zusatzstoffe in Broten und Brötchen (im Kuchen schon: Backpulver!)
  • Ich arbeite nur mit selbst herstellten Sauerteig UND mit Vorteigen
  • Dadurch schmecken meine Backwaren besser und haben eine natürliche Frischhaltung
  • Ich koche meinen Füllungen wie Mohn oder Pudding oder Kirschen alles selbst und nehme keine  Convenience Produkte (Gerade das haben meine Kunden am Geschmack sofort gemerkt)
  • Ich kaufe keinerlei Teiglinge oder fertige Backwaren die dann „warm“ gemacht werden. Wir stellen alles selbst handwerklich her.
  • Ein weiterer Nutzen, (den alle Bäckereien bieten) ist der Bedienverkauf. Die Kunden haben jemand der sie persönlich anspricht, der berät und empfiehlt. Das ist gerade älteren Menschen wichtig.
  • Ein wichtiger Kundennutzen ist Individualität. Hier machen die Frische Bäcker fast alles möglich! Die Torte mit persönlichem Foto, dem persönlichen Reim / Spruch über das verbrannte Brot für Frau Schmidt, die Frau aus Teig für den ewigen Junggesellen, fertige Kuchen platten welche man nur noch auf die Kaffeetafel stellen muss bis hin zur Anlieferung.
  • Wir wechseln häufig Produkte. Gerade im Kuchenbereich (der in unserer Gegend sehr wichtig ist) aber auch Teilchen. Geht ein Brot oder Brötchen nicht mehr gut, kommt dafür ein neues. So können die Kunden immer mal wieder was neues kaufen und das ist sehr wichtig!

Das war der leichte Teil! Neue Rezepte zu erfinden, neue Produkte oder einen Betrieb zu organisieren ist die eine Seite, aber das schwierigere ist es das Gute dem Kunden nahe zu bringen. Bzw den Nichtkunden! Darüber denke ich schon viele Jahre nach, lese Bücher, besuche Seminare und deswegen lese ich PR-Doktor.

Das sind meine bisherigen Erfahrungen:

  • Zeitungsanzeigen bringen nichts (mehr) Ich mache regelmäßig Direktmarketing. Also einen Flyer in die Briefkasten im Einzugsgebiet. Hinten drauf ist was zum sparen, Vorne ist die Botschaft. Die sollte sich sinngemäß wiederholen damit sie sich einprägt. Dabie ist ein kurzer knackiger Text wichtig.
  • Ich habe mich öffentlich gemacht. Das heißt: Ich bin auf dem Flyer zu sehen, auf dem Transporter, auf der Internetseite Die Botschaft: Vertrauen Sie mir, ich stehe dafür ein was ich Ihnen verkaufe! Sprechen Sie mich an! Fragen Sie mich! Ich finde diese Botschaften in der heutigen Zeit wichtig! Im Supermarkt kaufen Sie von Niemand. Kaufen Sie bei Bäcker Süpke! Das bin ich! Ich backe noch selbst mit! Der Meister in der Backstube, am Ofen…
  • Am wirksamsten aber Zeitintensiv: Der Meister hinter oder vor der Theke. Mit den Kunden persönlich reden. Sie fühlen sich dann sehr wertgeschätzt. Besseres Marketing gibt es nicht!

Meine Schwierigkeiten:

  • Ich muss das noch besser und intensiver betreiben. Mehr Zeit dafür einplanen. Nicht nebenbei machen. Also: Der Flyer muss bis Morgen in die Druckerei, Panik! Schnell einen Text her!
  • Meine Verkäuferinnen müssen besser informiert sein, sie müssen wissen was ich denke! Sie müssen es sich (noch mehr) zu eigen machen. Denn sie sind am Point of sale! (Toll das ich das mit einbauen konnte! 🙂 ) Das wird ein wichtiges Feld für mich die nächsten Monate. Die Verkäuferinnen versuche ich immer als meine Kunden anzusehen. Ich lasse mir jede Kritik von ihnen gefallen. Ich versuche die Kritik immer zu bearbeiten, auch wenn das manchmal schwer ist. Aber ich muss diese Kunden auch besser bewerben, also mehr PR an die Verkäuferinnen gerichtet.

Meine Stärke:

  • Ich muss den Kunden nichts vormachen! Ich bin das wirklich! Sie merken es wenn sie sich mit mir unterhalten. Ich liebe meinen Job, ich mag es wenn ich nach einer langen Nachtschicht nach Hause fahre und sehe wie die Kunden mit meinen Beuteln durch die Straßen laufen. Sie frühstücken jetzt und freuen sich über die leckeren Sachen denke ich dann. Ich brauche meine Leidenschaft nicht vor zuspielen, denn sie ist immer noch echt! Wenn ich eine neue Idee habe und was neues machen kann, dann bin ich aufgeregt und habe Lampenfieber. Dann ändere ich mal schnell alles. Das machen mir meine Mitarbeiter/innen oft zum Vorwurf!
  • Da meine Backwaren wirklich „ohne“ sind, kann ich sogar darüber bloggen! Denn ich habe kein chemisches Geheimnis. Leider muss ich manche Sachen und Rezepte geheim halten, aber weil sie so einfach sind und sie jeder Konkurrent einfach nachmachen kann. Und da sind ein paar Sachen die habe ich selbst entwickelt und da habe ich was voraus.

Warum habe ich eigentlich am Anfang das mit den Schweineohren geschrieben? Weil ich mal auf einem Verkaufsseminar gelernt habe:

Verkaufe nicht das Steak, sondern die Geschichte drum herum!

Ist von einem Ammi!

Wo ich nicht mehr einkaufe

zulieferer

Jemand der seine Zulieferer derart zerfleischt kann nicht mit mir als Kunde rechnen. 🙂

Gefunden Heute Morgen in einer Globus Werbung und sofort gelacht…

Ich beschäftige mich berufsmäßig mit Werbung. Wie wirken meine Aussagen auf meine Kunden, wie kommen sie rüber? Verstehen die Kunden was ich sagen will?. Das ist sehr interessant. Wenn man sich mal mit den Kunden unterhält dann merkt man schnell , dass jeder die Aussagen ein wenig anders versteht. Z.Bsp habe ich einen Kollegen der hat auf seine LKWs geschrieben:

Wir backen nur mit Natursauerteig.

Ein guter Freund von mir fragte mich dann: „Was bedeutet das? Wo in der Natur kommt Sauerteig vor?“

Das war für mich Augen öffnend. Was Fachleute so reden muss für ihre Kunden nicht zwingend verständlich sein.

Deshalb war das mit dem Zulieferer am Fleischerhaken ein riesen Spaß für mich. Ich hoffe für Euch auch…